In meiner Zeit als Teilzeit-Eventmanagerin setzte sich meine Chefin dafür ein, dass ich nach einem 60-Prozent-Modell mit einem Tag Home Office pro Woche arbeiten konnte. Ihr Credo an die Personalabteilung war damals: „Wenn ihr gute MitarbeiterInnen anstellen wollt, dann müsst ihr zeitgemäße Arbeitsmodelle anbieten, die passen. Sonst seid ihr die exzellenten MitarbeiterInnen los.“ Dafür bin ich ihr noch heute dankbar. „Arbeitet sie auch wirklich? Wer kontrolliert die Stunden? Was denken die anderen? Schaffen wir einen Präzedenzfall?“ Das waren die Fragen, an welchen die Personalabteilung eines grossen Konzerns damals zu knabbern hatte. Mehr als 10 Jahre später haben wir den Lockdown im März 2020 erlebt und Home Office wurde fast über Nacht zu einem gängigen Arbeitsmodell.
Ende März 2022 diskutierte ich über Zoomcall mit spannenden Ladies von New Work Women einige Ansätze und Ideen über neue Arbeitsmodelle von heute. Meine Homeoffice-Geschichte kam mir wieder in den Sinn. Ich war erstaunt, dass nur 63% der Arbeitnehmenden in Deutschland laut Umfrage von Future of Work Report 2022 noch nie etwas von „New Work“ gehört haben.
Unter New Work versteht man einen grundlegenden Wandel der Arbeitswelt, der geprägt ist von flachen Hierarchien, Eigenverantwortung, Vertrauenskultur und neuen Arbeitsformen wie Homeoffice, Co-Working und flexible Arbeitszeiten.
(Quelle: Future of Work Report 2022 – Appinio/Ideed Jan 2022)
Zurück zu unserem Austausch Ende März. Die Veränderung der globalen Situation sowie die Digitalisierung hat uns einige Jahre Beschleunigung weg von alten hin zu neuen Arbeitsmodellen geführt. Die Vereinbarung von Privatleben mit Beruf wurde in der Pandemie Zeit durch die Möglichkeit das Homeoffice 100% zu testen und zu leben zu einem Wunsch nach Dauer von vielen.
Eine Aussage von einer Führungsperson im Gesundheitswesen während der Pandemie hat mich etwas nachdenklich gestimmt. Sie sagte: „Homeoffice schadet der Karriere, weil du nicht mehr sichtbar und präsent bist in der Firma.“ Wow, dachte ich nur. Denn ich hatte zu diesem Zeitpunkt wirklich keine passende Antwort auf diese Aussage bereit. Klar kommt es auf die Branche an. Ich kann nicht von MitarbeiterInnen verlangen, dass sie als ProduktionsmitarbeiterInnen plötzlich nur noch von zu Hause aus arbeiten. Es gibt infrastrukturelle Bedingungen, die das tägliche Pendeln in die Firma voraussetzen. Jedoch gibt es immer mehr NEW WORK Jobs und die Möglichkeiten dank der Digitalisierung und Technik sind fast ins Grenzenlose mutiert. Vielleicht müsste sich dieser Mann über das Thema „Karriereleiter neu denken“ mit seinen Kolleginnen und Kollegen mal Gedanken machen.
Es ist mit New Work Arbeitsmodellen wie mit vielem anderm auch. If you can dream it you can do it. Es hat viel mit Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zu tun. Als ich vor 12 Jahren diesen Home Office Tag einführte, war es alles andere als einfach für mich. Denn ich musste mir zuerst die Wochenstruktur überdenken und aufgleisen. Montag und Dienstag war ich vor Ort in der Firma. Mittwoch und Freitag arbeitete ich bereits an meiner Selbständigkeit von zu Hause aus. Der Donnertag war der offizielle Homeoffice Tag für mich und die Firma. Tja und soll ich dir was sagen? Nach einer Weile war ich fast 2 mal so produktiv wie im Grossraumbüro in der Firma. Ich musste nicht pendeln und ich konnte mich entsprechend abgrenzen.
Ich habe meine Kreativtät in meinem Homeoffice Umfeld effizient und effektiv zu Gunsten des Arbeitgebers eingesetzt. Die Kommunikation gegenüber meinen Team Members war von Anfang an klar. Antonia ist 2 Tage vor Ort und ein Tag vom Homeoffice aus aktiv. That’s it!
Nach einiger Zeit war das so normal wie vieles andere auch. Ich glaube, es braucht eine hohe Vertrauenskultur und Disziplin sowie flache Hierarchien, damit die neuen Arbeitsmodelle sich erfolgreich etablieren können. Die Generation Y und Z wachsen in diesem Umfeld auf. Diese jungen Leute müssen die Firmen heute anders abholen, und werden keinen Erfolg mehr haben mit 08/15 Arbeitsmodellen im langweiligen Grossraumbüro. Viele Jobs 8 to 5 werden mit einigen Ausnahmen zukünftig verschwinden. Denn heute kann ich von fast überall (Technik und Cloud sei dank) aus arbeiten, solange es W-Lan hat.
Einiges muss ich jedoch klar beachten. Es gibt auch in dieser New Work World Rollen, Kompetenzen, Aufgaben sowie Verantwortung. Die Anforderung an das Management oder den Patron sind extrem gestiegen. Ich bin überzeugt, dass wir heute in 10 Jahren uns an die neuen Arbeitsmodelle gewöhnt haben. Und es wird immer wichtiger für Firmen die Effizienz so zu nutzen, dass der Faktor Time to Market kurz bleibt. Es entstehen auch weiterhin viele innovative Geschäftsmodelle, die erst auf Grund der Pandemie ins Leben gerufen worden sind, denn unsere Bedürfnisse haben sich in einigen Bereichen massiv verändert. Die Nähe zur Natur ist plötzlich wichtig geworden, die Pendlerzeit in Familien oder Friendszeit umzuwandeln hat zu mehr Lebensqualität geführt. Und die Workaction im Ausland gibt mir plötzlich die Möglichkeit Ferien und Arbeit angenehm miteinander zu verbinden. Falls ich dies dann wirklich auch machen will und mein Geschäftsmodell bis zu einem gewissen Grad digitalisiert ist. An diesem Punkt bin ich immer noch dran. Denn es ein grosser Schritt für mich, aber eine kleiner für die Menschheit.
Meine Tipps zu New Work Arbeitsmodellen:
- Anwesenheit klar kommunizieren – Abwesenheiten auch
- MitarbeiterInnen Vertrauen schenken
- Zusammenarbeit im Team regeln
- Generationsübergreifend denken
- Eigenverantwortung und Disziplin üben und haben
- Persönliche Entwicklung weitertreiben
- Persönliche (Zeit) Grenzen setzen
- Mutig sein und den Arbeitgeber für neue Arbeitsmodelle anfragen
- Mehrwert den Mitarbeiterinnen mit New Work bieten
Wenn du dich mit Frauen über New Work austauschen möchtest, dann folge auf LinkedIn der Gruppe und mache mit. Wenn du eine Interims-Lösung für deine Firma im Bereich Einkauf suchst, dann klicke auf meine Einkaufsseite.